Stellen Sie sich vor, jemand interessiert sich für genau das, was Sie anbieten. Er ist auf Ihrer Website, der Finger schwebt über dem Kontaktbutton. Und dann liest er einen Satz, den er zweimal lesen muss – und klickt weiter.
Diesen Moment sehen Sie nie. Aber er passiert. Jeden Tag. Und meistens liegt es nicht an Ihrem Angebot, sondern an Ihren Worten.
Der Denkfehler: kompliziert klingt nach Können
Es hält sich hartnäckig: Wer kompliziert schreibt, wirkt kompetent. Wer Fachbegriffe stapelt, signalisiert Expertise. Also ist da die Rede von „ganzheitlichen End-to-End-Lösungen”, von „skalierbaren Synergien”, von „prozessualer Exzellenz”. Klingt nach etwas. Sagt aber nichts.
Das Problem dahinter ist ein menschliches: Ihr Gegenüber muss übersetzen, bevor es verstehen kann. Und niemand mag das Gefühl, etwas nicht zu kapieren. Statt nachzufragen und sich vermeintlich zu blamieren, geht er lieber. Unbemerkt und für immer.
Dabei ist Verständlichkeit kein Verzicht auf Niveau. Sie ist der schönste Beweis, dass Sie Ihr Thema so tief durchdrungen haben, dass Sie es einem Menschen einfach erklären können. Das kann nicht jeder. Das ist Ihre Expertise.
Was wirklich im Kopf des Lesers passiert
Hinter jeder Anfrage steht ein Mensch mit einem echten Problem und wenig Zeit. Er überfliegt, er scannt, er entscheidet in Sekunden, ob er sich bei Ihnen aufgehoben fühlt. In diesem Moment gewinnt nicht der klügste Satz, sondern der, der ihm das Gefühl gibt: Hier werde ich verstanden.
Drei Dinge passieren, wenn Ihre Sprache klar ist:
Vertrauen entsteht schneller. Wer verstanden wird, vertraut. Wer sich hinter Begriffen versteckt, weckt das ungute Gefühl, da werde etwas verschleiert.
Die Hürde zur Anfrage fällt. Verstehe ich, was Sie tun, traue ich mich zu fragen. Verstehe ich es nicht, schweige ich und Sie verlieren einen Kunden, von dem Sie nie erfahren haben.
Sie bleiben im Kopf. Ein klarer Gedanke lässt sich merken und weitererzählen. Eine Worthülse verpufft, kaum dass sie gelesen ist.
Drei Stellschrauben, die sofort etwas verändern
Sie müssen nicht Ihre ganze Website umkrempeln. Fangen Sie hier an:
1. Übersetzen Sie Leistungen in Nutzen. Nicht: „Wir bieten crossmediale Kommunikationsstrategien.” Sondern: „Wir sorgen dafür, dass Ihre Kunden Sie überall wiedererkennen. Auf der Website, in der Pressemitteilung, im Newsletter.” Spüren Sie den Unterschied? Der zweite Satz redet über Sie, den Leser. Der erste nur über sich selbst.
2. Streichen Sie jedes Wort, das nichts tut. „Im Rahmen unserer langjährigen Tätigkeit” – weg damit. Sagen Sie, was Sache ist, und vertrauen Sie darauf, dass das genügt. Es genügt. Immer.
3. Lesen Sie laut vor. Wo Sie stolpern, stolpert auch Ihr Leser. Sätze, die Sie beim Sprechen nicht in einem Atemzug schaffen, sind zu lang. Teilen Sie sie. Ihr Leser wird es Ihnen danken, ohne es zu merken.
Der Test, den Sie heute machen können
Nehmen Sie Ihre Startseite und denken Sie an einen Menschen, der nicht aus Ihrer Branche kommt. Ihre Nachbarin. Ihren Schwager. Irgendwen, der Sie mag, aber keine Ahnung von Ihrem Fach hat.
Würde dieser Mensch nach dem ersten Absatz verstehen, was Sie anbieten und für wen?
Wenn ja: wunderbar. Wenn nein: Genau hier liegt Ihr stiller Hebel für mehr Anfragen. Sie haben ihn die ganze Zeit selbst in der Hand gehabt.
Klar heißt nicht beliebig
Ein letzter Gedanke, weil er oft missverstanden wird: Verständliche Sprache ist nicht gleich anspruchslose Sprache. Sie dürfen Haltung zeigen, pointiert sein, einen Ton haben, der nur Ihrer ist. Es geht nicht darum, alles glattzubügeln, bis nichts mehr bleibt.
Es geht darum, Ihre Kompetenz so zu verpacken, dass sie beim Menschen ankommt, der entscheidet, ob er Sie anfragt. Dass er sich gesehen fühlt. Verstanden.
Das ist der ganze Unterschied zwischen einem Text, der gut klingt und einem, der berührt und bleibt.
Sie haben das Gefühl, dass Ihre Texte nicht so ankommen, wie Sie es verdient hätten? Schreiben Sie mir. Ich schaue mir Ihre Website an und sage Ihnen ehrlich und ohne Fachchinesisch, wo Sie gerade Anfragen verschenken.
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